Photo eines extrasolaren Planeten?
5. April 2005
Zuerst ging es darum, wer den
ersten extrasolaren Planeten findet, inzwischen ist es das erste Bild
eines Exoplaneten: Schon im vergangenen September präsentierten
ESO-Astronomen eine solche Aufnahme, kürzlich detektierte das
NASA-Teleskop Spitzer das Infrarotlicht zweier ferner Welten, doch jetzt
glaubt ein deutsches Astronomenteam wirklich einen echten Exoplaneten
fotografiert zu haben: GQ Lupi b. Kollegen allerdings bleiben skeptisch.
Ein Team deutscher Astronomen meint erstmals einen Planeten bei einem
anderen Stern fotografiert zu haben.
Der "Exoplanet" umkreist den 400
Lichtjahre entfernten Stern GQ Lupi im am Südhimmel gelegenen Sternbild
Wolf. Die jahrelangen Beobachtungen der Forscher zeigen, dass sich der
Stern und sein Begleiter gemeinsam am Himmel bewegen. Damit sei
ausgeschlossen, dass es sich um ein zufällig im Hintergrund liegendes
Objekt handelt. Die Wissenschaftler veröffentlichen ihre Beobachtungen
demnächst im Fachblatt Astronomy & Astrophysics.
In den letzten zehn Jahren haben die Astronomen über 150 Planeten bei
anderen Sternen entdeckt. Gesehen hat diese Planeten bislang jedoch
niemand: Alle Entdeckungen sind indirekter Natur. Die Planeten verraten
sich durch ihre an den Sternen zerrende Schwerkraft oder dadurch, dass
sie vor ihrem Stern vorüber ziehen und so sein Licht geringfügig
abschwächen. Ralph Neuhäuser vom Astrophysikalischen Institut in Jena
und sein Team glauben nun, das Wettrennen um das erste Foto eines
Exoplaneten gewonnen zu haben.
In den vergangenen Jahren gab es freilich schon mehrere derartige
Erfolgsmeldungen, die sich später als verfrüht heraus stellten. Die
meisten der vermeintlichen Planeten entpuppten sich als
Hintergrundsterne. Das können Neuhäuser und seine Mitarbeiter für den
Begleiter von GQ Lupi zwar ausschließen. Bleibt allerdings die
Möglichkeit, dass der Begleiter kein Planet ist, sondern ein Brauner
Zwerg. Braune Zwerge sind "verhinderte Sterne", deren Masse zwar nicht
ausreicht, um selbst dauerhaft per Kernfusion Energie zu erzeugen, die
aber im Gegensatz zu Planeten selbst leuchten.
Der Begleiter umkreist GQ Lupi auf einer weiten Bahn: Der Abstand
zwischen Stern und vermeintlichem Planet beträgt das Dreifache des
Abstands des sonnenfernsten Planeten Pluto von der Sonne. Deshalb
konnten Neuhäuser und Kollegen bislang keine Umlaufbewegung des
Begleiters feststellen und so auch seine Masse nicht bestimmen. "Alle
theoretischen Modelle liefern für das Objekt eine Masse von 15 bis 40
Jupitermassen", erklärte der britische Astronom Mark McCaughrean
skeptisch gegenüber der BBC, "es ist viel wahrscheinlicher, dass es sich
um einen Braunen Zwerg handelt als um einen Planeten."
# astronews.com
|