Das Leuchten ferner Planeten
23. März 2005
Das Infrarot-Weltraumteleskop
Spitzer hat erstmals das Licht zweier extrasolarer Planeten aufgefangen.
Die fernen Welten sind allerdings alles andere als wohnlich: Mit
Temperaturen von über 700 Grad Celsius machen sie ihrer Einordnung als
"heiße Jupiter" alle Ehre. Die Forscher hoffen durch die
Spitzer-Beobachtungen mehr über die Atmosphäre der fernen Planeten zu
erfahren.
"Durch Spitzer haben wir nun ein leistungsfähiges neues Instrument zur
Verfügung, um etwas
über
die Temperatur, die Atmosphäre und die Orbits von Planeten zu erfahren,
die Hunderte von Lichtjahren von der Erde entfernt sind", erläutert Dr.
Drake Deming vom NASA Goddard Space Flight Center, der Leiter des
Forschungsprojektes. Und seine Kollegen sind gleichfalls begeistert: "Es
ist fantastisch", freut sich Dr. David Charbonneau vom
Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, der in einer zweiten Studie
einen anderen Planeten auf die gleiche Weise unter die Lupe nahm. "Seit
fast zehn Jahren versuchen wir dieses Licht zu messen, seit damals der
erste extrasolare Planet entdeckt wurden."
Im Infraroten (oben) ist
der Kontrast zwischen Planet und Stern deutlich günstiger als im
sichtbaren Bereich des Lichtes (unten, beides künstlerische
Darstellungen). Bilder: NASA / JPL-Caltech /R. Hurt (SSC)
Nahezu
alle extrasolaren Planeten, einschließlich der beiden jetzt von Spitzer
beobachteten, wurden indirekt durch ein Wackeln entdeckt, das sie bei
ihrem jeweiligen Zentralstern verursachen. Einige Exemplare konnte man
zusätzlich durch die so genannte Transitmethode ausspüren, bei der der
Planeten von der Erde aus gesehen gerade so vor seiner Sonne
entlangläuft, dass der Planet den Zentralstern kurzzeitig verdunkelt.
Beide Methoden nutzen Teleskope, die im sichtbaren Bereich des Lichtes
arbeiten.
In den jetzt vorgestellten Studien haben die Wissenschaftler das
Infrarotteleskop Spitzer verwendet, um die Infrarotstrahlung von zwei so
genannten "heißen Jupitern" zu messen. Diese Gasriesen umrunden ihre
Sonne in großer Nähe, werden daher sehr heiß und strahlen deutlich im
Infraroten. Spitzer konnte dieses nun für die extrasolaren Planeten HD
209458b und TrES-1 nachweisen. Um das Infrarotglühen der Planeten von
dem Licht des Sterns unterscheiden zu können, benutzten die Forscher
einen recht simplen Trick: Zunächst nahmen sie mit Spitzer die gesamte
Infrarotabstrahlung von Stern und Planet auf. Dann warteten sie bis der
Planet auf seinem Orbit hinter dem Stern verschwand und registrierten so
nur die Infrarotstrahlung des Sterns. So konnten sie exakt bestimmen,
wie viel der Infrarotstrahlung auf den Planeten zurückzuführen ist. "Im
sichtbaren Bereich des Lichtes überstrahlt der Stern den Planeten
vollkommen", erläutert Charbonneau, "aber im Infraroten ist der Kontrast
deutlich besser, weil der Planet selbst Strahlung aussendet."
Anhand der Spitzer-Beobachtungen konnten die Forscher auch ermitteln,
wie heiß diese Planeten sein müssen: Beide Welten haben Temperaturen von
mindestens über 700 Grad, so dass der Begriff "heiße Jupiter" durchaus
gerechtfertigt ist. Von weiteren Beobachtungen mit dem Infrarot-Teleskop
erwarten sich die Wissenschaftler detailliertere Informationen über die
Winde auf den Planeten und die Zusammensetzung der Atmosphäre.
HD 209458b war der erste Planet, bei dem ein Transit beobachtet wurde (astronews.com
berichtete). Bislang kennt man sieben solcher Planeten, doch nur die
beiden von Spitzer beobachteten kreisen um sonnenähnliche Sterne, die
innerhalb von 500 Lichtjahren Entfernung von der Erde liegen. Die
Forscher hoffen aber, dass sich die Gruppe dieser Planeten durch mehr
und mehr Entdeckungen bald deutlich vergrößern wird und so Spitzer
weiterhin gut eingesetzt werden kann, um etwas über dieses unwirklichen,
fernen Welten zu erfahren.
Eine hundertprozentige Premiere sind die jetzt veröffentlichten
Beobachtungen entgegen der NASA-Pressemitteilung allerdings nicht:
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Europäische Südsternwarte
berichtet, dass es ihr gelungen war, das erste Foto eines extrasolaren
Planeten zu machen (astronews.com berichtete).
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