Fernes Planetensystem ähnelt Sonnensystem
14. Juni 2002
15 Jahre lang
haben sie geduldig beobachtet und ausgewertet, jetzt haben die weltweit
führenden Planetenjäger ein Planetensystem aufgespürt, das unserem
relativ ähnlich sieht: Der jupiterähnliche Planet um die Sonne 55 Cancri
hat fast die gleiche Entfernung zum Zentralgestirn wie der Jupiter zur
Sonne.
Der Fund geht wieder einmal auf das Konto der Planetenjäger Prof.
Geoffrey Marcy von der Universität von Kalifornien in Berkeley und Dr.
Paul Butler von der Carnegie Institution in Washington. Die Forscher
machten die Entdeckung gestern auf einer Pressekonferenz öffentlich.
"Alle anderen Planeten, die bislang entdeckt wurden, umrunden ihren
Zentralstern in größerer Nähe und haben meist sehr exzentrische - also
wenig kreisförmige - Orbits", erläutert Marcy die Bedeutung der
Entdeckung. "Der neu entdeckte Planet um 55 Cancri ist genauso weit von
seiner Sonne entfernt wie Jupiter von unserer Sonne."
Der Stern 55 Cancri im Sternbild Krebs ist für die Planetenjäger kein
Unbekannter: Schon 1996 haben Marcy
und Butler hier einen Planeten aufgespürt, der etwas masseärmer als
unser Jupiter ist und 55 Cancri alle 14,6 Tage umrundet. Seine
Entfernung von der fernen Sonne beträgt nur etwa ein Zehntel der
Entfernung der Erde von der Sonne. Der jetzt aufgespürte Planet hat die
5,5fache Entfernung der Erde von der Sonne. Seine Bahn ist somit
vergleichbar der Bahn unseres Jupiter, der in 5,2facher
Erde/Sonne-Entfernung unsere Sonne umrundet. Der nicht ganz kreisförmige
Orbit der fernen Welt führt den Planeten einmal in rund 13 Jahren um 55
Cancri herum, Jupiter benötigt für seinen Weg um die Sonne 11,86 Jahre.
Der neu entdeckte Planet dürfte etwas massereicher sein als Jupiter, die
Forscher schätzen ihn auf die 3,5 bis fünffache Jupitermasse.
"Wir haben zwar noch nicht ein exaktes Abbild unseres Sonnensystems
gefunden, in dem ein Planet mit Jupitermasse auf einer Kreisbahn um das
Zentralgestirn läuft, aber dieser Fund zeigt, dass wir unserem Ziel
immer näher kommen. Wir können jetzt schon Planeten aufspüren, die in
der vierfachen Entfernung der Erde von der Sonne um ihren Stern
kreisen", so Butler. "Wir werden noch mehr davon finden unter den
insgesamt 1.200 Sternen, die wir im Auge haben." Die Planetenjäger
entdecken Planeten um ferne Sonne, in dem sie nach einem verräterischen
Wackeln suchen, dass umlaufende Planeten bei ihrer Sonne verursachen.
Diese Störungen werden natürlich immer schwächer je masseärmer und je
weiter entfernt die Planeten von ihrer Sonne sind. Daher sind
erdähnliche Planeten mit dieser Technik nicht aufzuspüren und es finden
sich leichter massereiche Planeten in großer Nähe zum jeweiligen
Zentralgestirn.
Auf wenn man erdähnliche Planeten mit den heute verfügbaren Methoden
nicht aufspüren kann, könnte sich in Zukunft ein weiterer Blick ins 55
Cancri-System lohnen: Simulationen haben nämlich gezeigt, dass ein
stabiler Orbit eines erdähnlichen Planeten zwischen den schon entdeckten
Gasriesen um 55 Cancri möglich wäre. So dürfte diese Entdeckung den
Druck auf die Weltraumagenturen verstärken, den Bau von Instrumenten zu
forcieren, mit denen man auch erdähnliche Planeten aufspüren kann.
Der Stern 55 Cancri, der insgesamt 15 Jahre von den Forschern beobachtet
wurde, liegt 41 Lichtjahre von der Erde entfernt und ist rund fünf
Milliarden Jahre alt. Möglicherweise lassen sich hier mit den heute
verfügbaren Methoden noch weitere Planeten aufspüren, da noch nicht alle
Störungen der fernen Sonne durch die beiden entdeckten Planeten erklärt
sind. Die Planetenjäger gaben insgesamt die Entdeckung von 13 neuen
extrasolaren Planeten bekannt, darunter der masseärmste der bislang
entdeckt wurde: Er umrundet in einem Abstand von nur einem Zwanzigstel
der Entfernung Erde-Sonne den Stern HD49674 im Sternbild Fuhrmann und
hat die 40fache Masse der Erde. Damit kennt man nunmehr über 90 Planeten
außerhalb unseres Sonnensystems.
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